Folgende Unter­halts­an­sprüche können bestehen:

Ein geschie­dener Ehegatte kann von dem anderen Ehegatten wegen der Betreuung eines gemein­schaft­lichen Kindes Unterhalt verlangen. Dies gilt in den ersten drei Jahren nach der Geburt des Kindes unein­ge­schränkt, in dieser Zeit braucht der betreuende Ehegatte keinerlei Berufs­tä­tigkeit auszuüben.

Danach verlängert sich der Unter­halts­an­spruch wegen Betreuung eines gemein­schaft­lichen Kindes, solange und soweit dies der Billigkeit entspricht. Dabei sind die Belange des Kindes und die beste­henden Möglich­keiten der Kinder­be­treuung zu berück­sich­tigen.

Grund­sätzlich beginnt also mit der Vollendung des 3. Lebens­jahres des Kindes für den betreu­enden Elternteil eine Erwerb­sob­lie­genheit. In welchem Umfang der Elternteil dann erwerbs­tätig werden muss, hängt im wesent­lichen davon ab, welche Betreu­ungs­mög­lich­keiten vorhanden sind und ob die vorhan­denen Betreu­ungs­mög­lich­keiten mit dem Wohl des Kindes vereinbar sind. Zu den Betreu­ungs­mög­lich­keiten, die von dem betreu­enden Elternteil in Anspruch genommen werden müssen, gehören beispiels­weise Tages­mütter, Kinderkrippen, ganztags Kinder­gärten, Ganztags­schulen, etc. Das früher geltende „Alter­spha­sen­modell“ hat der Gesetz­geber mit der Unter­halts­reform, die am 01.01.2008 in Kraft getreten ist, abgeschafft.

Auch die Neure­gelung verlangt also keineswegs einen abrupten, übergangs­losen Wechsel von der elter­lichen Betreuung zur Voller­werbs­tä­tigkeit. Im Interesse des Kindes­wohls wird vielmehr auch künftig ein gestufter, an den Kriterien von § 1570 Abs. 1 BGB orien­tierter Übergang möglich sein.

Zudem wird man auch zukünftig von dem betreu­enden Elternteil bei Kindern, die sich im Kinder­garten- oder Grund­schulalter befinden, nicht verlangen können, dass der zeitliche Umfang der Erwerbs­tä­tigkeit genau dem zeitlichen Umfang der Fremd­be­treu­ungs­mög­lichkeit entspricht. Dadurch soll den Erschwer­nissen, die mit der Pflege und Erziehung eines Kindes verbunden sind, Genüge getan werden.

Ein Ehegatte, der wegen der Ehe eine Schul- oder Berufsausbildung nicht begonnen oder abgebrochen hat, hat Anspruch auf nache­he­lichen Unterhalt, wenn er nach der Scheidung eine Ausbildung beginnt oder fortsetzt. Das gilt auch dann, wenn die Ausbildung schon vor der Ehe abgebrochen oder erst gar nicht begonnen wurde, weil bereits konkrete Pläne zur Eheschließung bestanden.

Ein Ehegatte, der keine Kinder betreut und auch nicht aus Altersgründen oder wegen Krankheit an einer Erwerbstätigkeit gehindert ist, muss eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben. Allerdings sieht die gesetzliche Regelung auch dann einen Anspruch auf nache­he­lichen Unterhalt vor, wenn ein Ehegatte trotz ernsthafter und intensiver Suche keine Arbeitsstelle findet.

Im Prozessfall muss er dies detail­liert nachweisen können. Der unter­halts­be­rech­tigte Ehegatte sollte daher seine Bewer­bungen immer schriftlich vornehmen und alle Bewer­bungs­schreiben sowie Absagen aufbe­wahren. Bei mündlichen Bewer­bungen und nach Vorstel­lungs­ge­sprächen empfiehlt es sich, beim Arbeit­geber um eine Bewer­bungs­be­stä­tigung zu bitten.

Auch ohne solche Bemühungen um einen Arbeits­platz besteht evtl. ein Unter­halts­an­spruch, wenn der Ehegatte keine reale Beschäf­ti­gungs­chance mehr auf dem Arbeits­markt haben sollte. Kriterien sind das Alter des Unter­halts­be­rech­tigten, seine beruf­liche Quali­fi­kation und der Zeitpunkt der letzten beruf­lichen Tätigkeit.

Der Ehegatte braucht grund­sätzlich nur eine „ange­messene“ Erwerbs­tä­tigkeit auszuüben. Das heißt, die Tätigkeit muss der Ausbildung, dem Alter und dem Gesund­heits­zu­stand des Ehegatten, aber auch den ehelichen Lebens­ver­hält­nissen entsprechen. Ob eine Tätigkeit noch angemessen oder zumutbar ist, lässt sich häufig nur schwer beurteilen. Kann z. B. eine Kranken­schwester, die einen Arzt gehei­ratet hat, der während der 20-jährigen Ehe zum Chefarzt der Klinik aufge­stiegen ist, nach der Scheidung zugemutet werden, wieder als Arzthel­ferin zu arbeiten, obwohl sie während der Ehe nicht berufs­tätig war, sondern die beiden Kinder aus der Ehe betreut hat?

Nache­he­lichen Unterhalt kann ein Ehegatte beanspruchen, wenn er nach der Scheidung oder im Anschluss an die Betreuung des gemein­samen Kindes wegen einer Krankheit oder seines Alters seinen Unter­halts­bedarf nicht mehr selbst decken kann. Der Unterhalt wegen Alter knüpft in der Regel an das gesetz­liche Renten­ein­tritts­alter an. Bis dahin ist eine Erwerbs­tä­tigkeit grund­sätzlich zumutbar.

Jeder Ehegatte hat auch nach der Ehe einen Anspruch auf gleiche Teilhabe am gemeinsam Erwirt­schaf­teten und damit möglichst auf Wahrung des aus der Ehe gewohnten Lebens­stan­dards. Reichen die eigenen Einkünfte eines Ehegatten dazu nicht aus, hat er einen Anspruch auf Aufsto­ckung seiner eigenen Einkünfte durch eine Unter­halts­zahlung, um das aus der Ehe abgeleitete „Konsum­niveau“ zu erreichen.

Beispiel: Der Ehemann verdient 4.000 € netto, die Ehefrau aus Ganztags­tä­tigkeit 2.000 €. Die eheliche Lebens­ge­mein­schaft ist also geprägt von einem Gesamtein­kommen in Höhe von 6.000 €. Nach dem Halbtei­lungs­grundsatz liegt der Unter­halts­bedarf der Ehefrau bei 3.000 €. Diesen kann sie aber durch eigene Einkünfte nur in Höhe von 2.000 € selbst decken. Es fehlen ihr daher 1.000 €. Diese 1.000 € kann sie als Aufsto­ckungs­un­terhalt verlangen.

Auch ein Unter­halts­an­spruch aus Billig­keits­gründen kann in Betracht kommen. Er ist gegeben, wenn und solange von einem geschie­denen Ehegatten aus schwer­wie­genden Gründen eine Erwerbs­tä­tigkeit nicht erwartet werden kann und es grob unbillig wäre, ihm einen Unter­halts­an­spruch zu versagen. In der Praxis spielt dieser Unter­halt­stat­be­stand kaum eine Rolle.

Die genannten Unter­halt­stat­be­stände können auch nachein­ander auftreten und eine „Unter­halts­kette“ bilden.

Beispiel: Die Ehefrau betreut nach der Scheidung zwei Klein­kinder. Sie hat daher einen Anspruch auf Betreu­ungs­un­terhalt. Nachdem die Kinder älter geworden sind, holt sie eine in der Ehe abgebro­chene Berufs­aus­bildung nach und hat einen Unter­halts­an­spruch wegen Ausbildung. Im Anschluss daran erkrankt sie so schwer, dass sie nicht mehr erwerbs­tätig sein kann. Es schließt sich dann der Unter­halts­an­spruch wegen Krankheit an.

Ist die Unterhaltskette aber einmal unterbrochen, kann ein nache­he­licher Unter­halts­an­spruch später nicht mehr neu entstehen.

Beispiel: Zur Zeit der Scheidung haben die Eheleute Einkünfte in gleicher Höhe. Acht Jahre nach der Scheidung erkrankt die Ehefrau so schwer, dass sie nicht mehr erwerbs­tätig sein kann und kaum noch Einkünfte hat. Da zur Zeit der Scheidung kein Unter­halts­an­spruch bestand, fehlt für einen Unter­halts­an­spruch wegen Krankheit die notwendige direkte Anknüpfung an den Schei­dungs­zeit­punkt oder einen voran­ge­gan­genen Unter­halts­an­spruch. Sie kann ihren Ex-Ehemann nicht mehr in Anspruch nehmen.

Der Unterhalt besteht in der Zahlung eines monat­lichen Geldbe­trages zur Deckung des Lebens­un­ter­halts des Unter­halts­emp­fängers (Barun­terhalt). Er muss im Voraus für den Monat gezahlt werden.

Besteht beim Unterhaltsempfänger keine gesetzliche Krankenversicherung (weil er keine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausübt), können auch die Kosten einer angemessenen Krankenversicherung verlangt werden (Krankenvorsorgeunterhalt).
Zusätzlich können vom Unterhaltsberechtigten auch Beiträge zu einer angemessenen Altersvorsorge geltend gemacht werden (Altersvorsorgeunterhalt).